Beiträge von Keksi.



    Abrupt wandte Grace den Kopf. „Dad!“

    „Halb so wild“, sagte ich. „Manchmal muss man die Dinge eben beim Namen nennen.“

    „Hat Mom ihren Bruder geliebt? Todd?“

    „Ja, natürlich. Klar, manchmal hat sie sich auch mit ihm gezankt, aber das ist ganz normal unter Geschwistern. Sie hat weder ihn noch ihre Eltern umgebracht. Ich wünschte, du hättest nicht mitbekommen, wie dieses A*schloch von Detective deine Mutter vor laufender Kamera verleumdet hat. Jawohl, A*schloch.“ Ich machte eine Pause. „Und? Willst du Mom erzählen, dass du die Sendung gesehen hast?“

    Grace schüttelte den Kopf. „Nee, dann flippt sie bestimmt aus.“

    Womit sie wohl recht hatte, aber ich wollte Cynthia nicht in den Rücken fallen. „Erzähl's ihr einfach, wenn sie guter Dinge ist.“

    „Heute können wir jedenfalls guter Dinge sein. Ich habe keine Asteroiden gesehen.“

    „Gut zu wissen.“



    „Ich glaub, du kannst jetzt umdrehen“, sagte Grace.

    Nicht weit von uns entfernt erspähte ich ein paar Kids ihres Alters, vielleicht sogar Freundinnen von ihr.

    „Aber wir unterhalten uns doch gerade so nett.“

    Aus den Seitenstraßen strömten weitere Kinder. Die Schule war bereits in Sichtweite, nur noch drei Blocks entfernt.

    „Wir sind doch schon fast da“, sagte Grace. „Von hier siehst du mich ja sowieso.“

    „Na gu“, sagte ich.

    „Ciao, Dad“, sagte Grace und beschleunigte ihre Schritte.

    Ich behielt sie im Auge, während andere Kids auf Fahrrädern, Skateboards und Inlineskates an mir vorbei fuhren.

    Grace blickte nicht zurück. Sie ging zu ihren Freundinnen, um sich ihnen anzuschließen.



    Im selben Moment fuhr der braune Wagen an mir vorbei.

    Es war schon ein etwas älteres Auto. Die Karre hatte tatsächlich getönte Scheiben.

    Ich blieb stehen und sah dem Wagen hinterher. Er fuhr die Straße hinunter, schnurgerade auf die letzte Straßenecke vor der Schule zu, wo Grace stehen geblieben war und sich mit ihren Freundinnen unterhielt.

    Der Wagen hielt genau an der Ecke, nur ein paar Armlängen von Grace entfernt. Ich glaubte, mein Herz müsste jeden Augenblick stehen bleiben.
    Dann ging der Blinker an; der braune Wagen bog nach rechts ab und verschwand um die Ecke.

    Ein Schülerlotse half Grace und ihren Freundinnen über die Straße. Dann waren sie auch schon auf dem Schulgelände. Zu meinem Erstaunen wandte Grace sich um und winkte mir zu. Ich winkte zurück.



    Ich blieb noch eine Weile stehen.

    Es gab diesen braunen Wagen also doch, aber Tatsache war, dass niemand herausgesprungen war und versucht hatte, unsere Tochter zu entführen. Es war wohl einfach jemand auf dem Weg zur Arbeit.

    Ein Anflug von Traurigkeit überflog mich. Cynthia lebte in einer Welt, in der jeder eine oetenzielle Bedrohung für ihre Familie darstellte.

    Ich drehte mich um und ging zurück nach Hause. Als unser Haus in Sicht kam, verscheuchte ich die trüben Gedanken. Schließlich wartete meine Frau auf mich, aller Wahrscheinlichkeit nach sogar im Schlafzimmer.



    „Ich bin zurück!“

    Keine Antwort.

    Was ich so deutete, dass Cynthia bereits oben auf mich wartete.

    „Ich bin hier“, sagte sie. Ihre Stimme klang seltsam bedrückt.

    Sie saß am Küchentisch. Sie war leichenblass.

    „Was ist denn los?“, fragte ich.



    „Es hat jemand angerufen“, sagte sie leise.

    „Wer?“

    „Seinen Namen hat er nicht genannt.“

    „Und was wollte dieser jemand?“

    „Er hat nur gesagt, er hätte eine Nachricht.“

    „Und dir wäre?“

    „Er hat gesagt, sie würden mir verzeihen.“

    „Ich verstehe kein Wort.“
    „Meine Familie. Sie würden mir verzeihen, was ich ihnen angetan hätte.“


    ~ Ende Kapitel 6 ~


    _____________________________



    So, das wars erstmal wieder. Das nächste Kapitel kommt frühestens in 2 Wochen, vielleicht auch früher, wenn ich Glück habe.

    So, heute kommt die nächste Fortsetzung. Die nächste wird dann erstmal nicht kommen, da ich ziemlich viel für die Schule machen muss, aber ich bemüh mich trotzdem, so schnell wie möglich weiterzumachen.

    Kommis:

    @ nichthund.: Ich glaube nicht, dass Terry eine Affaire haben würde... dafür ist er viel zu treu und will Cynthia ja nicht verletzen^^

    @ Dragon:
    Danke für deinen wunderschönen Kommi. Dein Antrieb hat geholfen, danke! ^^ :-*

    @ chipsi:
    Danke für deinen Kommi. Ja, die Sportlehrerin... so ist sie halt.

    @ ♥ZicKe:
    Danke auch an dich für dein Kommi. Ich freu mich über treue Leser.



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    ~ Kapitel 6 ~



    Rolly hatte gute Neuigkeiten für mich, bevor ich nach Hause ging. Da die Leiterin der Theatergruppe morgen für die jährliche Schulaufführung probte, weshalb meine halbe Klasse nicht anwesend wäre, fiel die erste Stunde für mich flach. Wenn so viele fehlten, würden sich die anderen auch nicht blicken lassen.





    Als Grace und ich am nächsten Morgen also am Tisch saßen, sagte ich also: „Rat mal, wer dich eute zur Schule bringt.“
    Ihre Miene hellte sich auf: „Du? Wirklich?“

    „Und ob. Ich habe schon mit Mom gesprochen. Meine erste Stunde fällt heute flach, also kann ich dich bringen.“

    „Echt? Nur wir beide?“

    Ich hörte wie Cynthia die Treppe herunterkam und legte den Zeigefinger an die Lippen. Grace war sofort mucksmäuschenstill.



    „Dein Daddy bringt dich heute zur Schule, Mäuschen“, sagte Cynthia. Mäuschen. So hatte ihre eigene Mutter sie auch immer genannt. „Gut?“

    „O ja!“

    Cynthia zog eine Augenbraue hoch. „Aha. Meine Gesellschaft ist nicht erwünscht.“

    „Mom“, sagte Grace.

    Cynthia lächelte.

    „Hast du mir die Erlaubnis geschrieben?“, fragte Grace.

    „Welche Erlaubnis?“

    „Für den Ausflug“, sagte Grace. „Dafür brauchen wir eine schriftliche Erlaubnis.“

    „Süße, du hast mir nichts von einem Ausflug erzählt“, sagte Cynthia. „Du kannst uns so etwas nicht immer erst in letzter Minute sagen.“

    „Wir schauen uns heute die Feuerwache an, aber ohne Erlaubnis dürfen wir nicht mit.“

    „Warum hast du uns das nicht schon...“

    „Kein Problem“, sagte ich. „Ich kümmere mich drum.“



    Ich eilte nach oben in das Zimmer, das wir gleichzeitig als Büro und Nähzimmer benutzen. In der Ecke steht der Schreibtisch. Hier korrigiere ich Tests und Schularbeiten und bereite meine Unterrichtsstunden vor.

    Dort stand auch meine alte Schreibmaschine aus Studententagen.

    Ich fand es einfacher ein Blatt Papier in die Schreibmaschine zu klemmen, als den Rechner hochzufahren, ein neues Dokument zu öffnen, die Notiz zu schreiben, den Drucker anzustellen und das Getippte auszudrucken.

    Ich tippte ein paar Zeilen, die unserer Tochter ermöglichten, das Schulgelände zu verlassen und an der Besichtigung der Feuerwache teilzunehmen. Blieb nur zu hoffen, dass das >e<, das wir ein >c< aussah, nicht für Verwirrung sorgte.



    Ich ging wieder hinunter, reichte Grace das Blatt Papier und bat sie, den Zettel in ihren ucksack zu stecken.

    An der Tür sagte Cynthia: „Warte auf jeden Fall, bis sie im Gebäude ist.“

    „Und was ist, wenn die Kids noch draußen spielen?“, fragte ich. „Soll ich wie ein Sittenstrolch herumlungern und warten, bis sie die Polizei rufen?“

    „Das würde bei einem Kerl wie dir ja auch jeder vernünftige Mensch tun.“ Cynthia lächelte. „Dann reicht es, wenn du sie auf den Schulhof bringst.“ Sie zog mich an sich. „Wann musst du zur Arbeit?“

    „Erst zur zweiten Stunde.“


    „Dann hast du ja fast eine ganze Stunde übrig“, sagte sie und schaute mich mit einem Blick an, den ich leider nicht ganz so oft sah, wie es mir lieb gewesen wäre.



    „Genau“, sagte ich. „Das ist korrekt, Mrs Archer. Hatten Sie an etwas Bestimmtes gedacht?“

    „Das könnte sein, Mr Archer.“ Cynthia hauchte mir einen Kuss auf die Lippen.

    „Meinst du nicht, Grace wird misstrauisch, wenn ich mit ihr im Eiltempo zur Schule hetze?“

    „Also dann“, sagte Cynthia und schob mich die Tür hinaus.



    „Und was hast du jetzt vor?“, fragte Grace, als wir zusammen die Straße hinuntergingen.

    „Wie vor?“, fragte ich. „Was soll ich vorhaben?“

    „Na ja, wie weit willst du mitkommen?“


    „Ich dachte, ich komme mit rien und setze mich für ein Stündchen neben dich.“


    „Dad, hör auf, Witze zu machen.“


    „Witze? Ich wäre wirklich gern mal dabei. Um zu sehen, ob du auch ordentlich mitarbeitest.“


    „Du würdest gar nicht hinter den Tisch passen“ , sagte Grace.

    „Ich könnte mich ja draufsetzen. Da bin ich nicht wählerisch."





    „Mom war ja heute richtig gut aufgelegt“, sagte Grace.

    „Na klar“, sagte ich. „Ist sie doch oft.“ Grace warf mir einen zweifelnden Blick zu. „Deine Mom hat es momentan nicht ganz leicht. Vor fünfundzwanzig Jahre ist etwas sehr Trauriges geschehen und ihr ist nicht gerade zum Jubeln zumute. Sie war damals nur ein paar Jahre älter als du.“

    „Ich weiß“, sagte sie. „Warum darf ich die Sendung eigentlich nicht ansehen? Ihr habt sie doch aufgenommen, oder?“

    „Ja, schon“, sagte ich. „Aber deine Mom will nicht, dass du Angst bekommst.“
    „Eine meiner Freundinnen hat ein Video davon. Ich habs schon gesehen.“

    „Wann?“, fragte ich. Cynthia ließ Grace so gut wie nie aus den Augen. Hatte Grace etwa ein Video nach Hause geschmuggelt und es heimlich geguckt, während wir oben im Arbeitszimmer gewesen waren?

    „Als ich nachmittags bei ihr war“, sagte Grace.



    Acht Jahre war sie alt und schon hatte man nicht mehr den Daumen drauf. In fünf Jahren würde sie ein Teenager sein. O Gott.

    „Das war nicht okay“, sagte ich. „Das hättet ihr nicht ansehen dürfen.“

    „Der Polizist war echt gemein“, sagte sie.

    „Welcher Polizist?“


    „Der in dem Interview gesagt hat, es wäre doch komisch, dass alle verschwunden wären, nur Mom nicht. Ich habe sofort kapiert, was er sagen wollte. Dass Mom sie umgebracht hat.“


    „Tja, was für ein A*schloch.“


    ~ geht noch weiter ~

    Huhu Koyomi! :hug
    Herzlich Willkommen im Forum! :rosen
    Und ich hab dich gaaaaaaaar nicht gezwungen, dich hier anzumelden, du hast aus freien Willen so gehandelt :D
    Falls du Hilfe brauchst, meld dich einfach (SVZ oder so ^^)

    JULEEEEEE!! *flausch*

    Häppüüüüü Büüüüüürthdääääääääääy tooooooo yoooooooooooou!

    :rosen :rosen :rosen :rosen *mit Rosen überschütt*


    Ich wünsch dir alles, alles Gute und einen schönen Tag und viele tolle Geschenke (Roller ^^) und Gesundheit und Erfolg und Fröhlichkeit und noch viele spämmige Jahre mit deinen Mädels xD


    Lass es krachen!
    :hug :hug :hug :hug

    Mein Chef heute bei der Arbeit:
    "Wer zu Ostern die Eier ersucht, hat Weihnachten die Bescherung."


    (jaaa... bei uns in der Küche gehts als ab :D)



    Heute Mittag bei meinen Großeltern.
    Meine Tante, mein Onkel und mein Cousin kommen.

    Tante: Frohe Ostern!
    Onkel: Frohe Weihnachten!
    Cousin: Frohes Neues!


    (ich hab mich voll weggeroflt :D)



    „Und wie geht’s dir sonst?“, fragte Rolly. „Du wirkst irgendwie geistesabwesend. Stress?“
    „Ein bisschen“, sagte ich. „Cyn fällt es schwer, Grace auch nur die kleinste Freiheit zu lassen. Ich kann verstehen, warum sie sich so verhält. Bei dem was ihr passiert ist. Jedenfalls meint Cyn, sie hätte einen Wagen gesehen.“
    „Einen Wagen?“
    „Ein braunes Auto. Das angeblich ein-, zweimal an ihr vorbeigefahren ist, als sie Grace zur Schule gebracht hat.“
    „Ist irgendwas passiert?“
    „Nein. Vor ein paar Monaten war es ein grüner Geländewagen. Und letztes Jahr ein Kerl mit Bart, der sie und Grace innerhalb einer Woche dreimal merkwürdig angestarrt hatte.“
    „Diesmal wird wohl der Fernsehbeitrag schuld sein.“
    „Das glaube ich auch. Außerdem ist es dieses Jahr fünfundzwanzig Jahre her, dass ihre Familie verschwunden ist. Es treibt sie zur Verzweiflung.“
    „Soll ich mal mit ihr sprechen?“ Auch für Cynthia war Rolly immer eine Vaterfigur gewesen. Gelegentlich hatte er Tess entlastet und war mit Cynthia Eisessen gegangen.
    „Lass mich drüber nachdenken“, sagte ich. „Normalerweise gehen wir zu einer Psychologin. Dr. Naomi Kinzler.“
    „Und wie laufen die Gespräche?“



    Ich zuckte mit den Achseln und fragte: „Was glaubst du, ist damals passiert?“
    „Wie oft hast du micht das schon gefragt, Terry?“
    „Ich wünschte nur, der ganze Wahnsinn hätte irgendwann ein Ende. Leider hat auch der Fernsehbeitrag keine Antworten gebracht. Immerhin kanntest du ihn. Clayton Bigge. DU hattest doch einen gewissen Draht zu ihm, sonst wärt ihr ja nicht zusammen fischen gegangen.“
    „Stimmt, auch Patricia mochte ich sehr.“
    „Und? Glaubst du, die beiden wären imstande gewesen, ihre Tochter im Stich zu lassen? Einfach so, von heute auf morgen?“
    „Im Leben nicht. Im Grunde meines Herzens habe ich immer geglaubt, dass sie ermordet wurden.“
    „Das stimmt, aber wenn sie entführt und umgebracht wurden, warum dann nicht auch Cynthia? Warum hat er sie am Leben gelassen?“



    Rolly schüttelte ratlos den Kopf. „Kann ich dich mal was fragen, Terry?“
    „Klar“, sagte ich.
    „Wieso steckt unsere Sportlehrerin einen Zettel in dein Fach, holt ihn aber eine Minute später wieder raus?“
    „Was?“
    „Nicht dass du's vergisst, Terry. Du bist verheiratet.“


    ________________


    ~ Ende Kapitel 5 ~






    So, das wars erstmal wieder.
    Ich hoffe es hat euch gefallen.
    Ich weiß, dass es sich in letzter Zeit ziemlich hinauszögert, aber das ändert sich bald, versprochen :)

    Dankeschön für eure Kommis!
    Ich war heute fleißig und habe gleich mal den zweiten Teil des 5. Kapitels gemacht. Und hier kommt er, viel Spaß.


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    ~Kapitel 5 ~
    ~ Teil 2 ~



    Wer einen Highschool-Stundenplan so organisiert, dass ein Kurs in kreativem Schreiben direkt in der ersten Stunde stattfindet, hat entweder keine Ahnung von Schülern oder einen besonders fiesen Sinn für Humor.




    Alle Schüler waren anwesend, die meisten hingen noch über ihren Tischen, als hätte man deren Wirbelsäulen über Nacht entfernt.
    Ich stellte meine Tasche deutlich hörbar auf dem Pult ab und hatte somit die Aufmerksamkeit meiner Schüler, da sie wussten, was sich in der Tasche befand.
    Ich ließ meinen Blick über die Schüler schweifen und sah ganz hinten Jane Scavullo.




    „Okay, ich habe eure Storys gelesen und ein paar davon sind richtig gut. Unglaublich, aber einigen von euch ist es sogar gelungen, ganze Absätze ohne das Wörtchen >verfickt< zu schreiben.“
    Ein paar kicherten.
    „Wegen sowas können Sie doch gefeuert werden, oder?“, fragte ein Junge namens Bruno, von dessen Ohren zwei weiße Kabel herabhingen, die in seiner Jacke verschwanden.
    „Das will ich verfickt noch mal hoffen“, sagte ich. Ich zeigte auf meine Ohren. „Bruno, kannst du die Dinger eben mal rausmachen?“
    Bruno tat, wie im gesagt wurde.



    Ich zog die Arbeiten aus meiner Tasche und nahm eine heraus. Sie war handgeschrieben.
    „Also, ich habe euch ja erklärt, dass ihr nicht unbedingt über irgendwelche Ballereien oder Nuklearterroristen schreiben müsst, um den Leser zu fesseln. Geschichten findet man auch im scheinbar banalsten Umfeld.“
    „Ba-was?“, fragte Bruno.
    „Banal. Gewöhnlich. Stinknormal.“
    „Wieso sagen Sie dann nicht >stinknormal>? Wieso kommen Sie uns mit einem Fremdwort, wenns auch mit einem stinknormalen Wort geht?“
    Ich grinste. „Am besten, du steckst dir die Dinger wieder rein.“
    „Nee, nachher verpasse ich ja noch was Banales.“
    „Ich lese jetzt mal was vor.“ Ich sah, wie sich Janes Kopf hob. Vielleicht hatte sie ihr Blatt wiedererkannt.


    Ich hörte auf zu lesen. „Will jemand etwas dazu sagen?“
    „Ich steht drauf, wenn das Eigelb noch flüssig ist“, blökte ein Junge hinter Bruno.
    Ein Mädchen auf der anderen Seite sagte: „Mir gefällt die Geschichte. Ich würde gern mehr über den Typ erfahren.“



    Eine Stunde später, als die anderen den Klassenraum verließen, sagte ich: „Jane.“
    Zögernd kam sie zu mir ans Pult. „Schlecht drauf?“, fragte ich.
    Sie zuckte nur mit den Schultern.
    „Gute Story. Deshalb habe ich sie vorgelesen.“
    Ein weiteres Schulterszucken.
    „Wie ich gehört habe, stehst du kurz vor dem Rausschmiss.“
    „Die Schlampe hat angefangen“, sagte sie.
    „Du kannst schreiben“, sagte ich. „Die Story, die du vor zwei Wochen geschrieben hast, habe ich bei der Stadtbibliothek eingereicht. Für den Kurzgeschichtenwettbewerb."



    Ein kurzes Leuchten trat in ihren Blick.
    „Deine Geschichten erinnern mich ein bisschen an Joyce Carol Oates. Hast schon mal was von ihr gelesen?“
    Jane schüttelte den Kopf.
    „Versuchs mal mit Bad Girls. Hier in der Schulbücherei wirst du es wahrscheinlich nicht bekommen, aber in der Stadtbibliothek haben sie es bestimmt.“
    „Wars das?“, fragte sie.
    Ich nickte und sie verließ den Raum.

    ~~~




    Rolly saß vor dem Computer in seinem Büro und las irgendwas. Er deutete auf den Bildschirm.
    „Sie wollen mehr Tests. Bald haben wir keinen Zeit mehr ihnen überhaupt den Stoff beizubringen, weil es nur noch Tests geben wird.“
    Wir setzten und auf die Sofas in seinem Büro.
    „Weißt du mehr über die Kleine?“, fragte ich.
    „Jane Scavullo?“, sagte er. „Soweit ich weiß, haben wir nicht mal ihre aktuelle Adresse. Die letzte Adresse ihrer Mutter ist schon ein paar Jahre alt. Offenbar hat sie einen Neuen und ist mit ihm zusammengezogen. Na ja, und die Kleine wohnt eben wohl auch dort.“



    „Jetzt mal von der Schlägerei abgesehen. Ich finde, in letzter Zeit ist es besser geworden mit ihr. Vielleicht bringt der neue Mann ja mehr Stabilität in ihr Leben.“
    „Mich zermürbt das alles nur noch“, sagte Rolly. „Es ist einfach nicht mehr so wie früher. Weißt du, was ich gestern auf unserem Schulgelände gefunden habe? Eine Knarre. Unter ein paar Büschen. Vielleicht hat sie jemand verloren oder vielleicht diente es als Versteck.“
    Ich hob die Schultern. Besonders neu war das nicht.


    ~ geht noch weiter ~

    So, heute gibt es nach langem Warten mal wieder eine Fortsetzung.


    @ annyway: Danke für das Kommi und das Lob, da freu ich mich immer drüber.
    @ nichthund: Tja, da wirst du dich noch eine Weile gedulden müssen, bis du das erfährst ^^
    @ gegilworld: Danke für das Lob. Ich freu mich immer über neue Leser.
    @ LiPaLady: Ja, vielleicht wird das wirklich passieren, aber versprechen kann ich nichts.


    So, weiter gehts.
    Die ersten drei Bilder sind erneut ein kleiner Zeitsprung in die Vergangenheit. Danach geht es mit der Gegenwart weiter. Ab dann wird es erst mal keine weiteren Zeitsprünge mehr geben.


    _______________________



    ~ Kapitel 5 ~
    ~ Teil 1 ~



    Als Cynthia und ich uns besser kennen lernten, erzählte sie mir mehr von ihrer Familie. Von Clayton, Patricia und ihrem älteren Bruder Todd, den sie mal liebte, mal hasste, je nachdem, in welcher Stimmung sie gerade war.



    Cynthia war ein Mitglied der Familie Bigge, was ein schlechter Witz war, denn ihr Vater hatte keine Verwandten, weder Brüder noch Schwestern, seine Eltern waren in seiner Kindheit gestorben.
    Es gab auch keine verstaubten Fotoalben von Clayton, keine Schnappschüsse von früher, keine Liebesbriefe von verflossenen Liebschaften. Er lebte im Hier und Jetzt.
    Patricias Familie war ebenfalls nicht sehr groß, aber immerhin hatte sie eine Geschichte. Patricia besaß jede Menge Bilder von ihren Eltern, entfernten Verwandten und Jugendfreunden. Ihr Vater war in ihrer Kindheit an Polio gestorben, doch ihre Mutter hatte noch gelebt, als sie Clayton kennen gelernt hatte. Sie fand in charmant, wenn auch recht schweigsam.



    Patricias Schwester Tess war nicht ganz so begeistert. Es gefiel ihr nicht, dass Clayton dauernd auf Geschäftsreisen und Patricia mit der Erziehung auf sich allein gestellt war. Andererseits war er ein guter Versorger und nicht zuletzt ein anständiger Kerl, der Patricia innig zu lieben schien.

    Patricia arbeitete damals in einem Drogeriemarkt. Sie hatte keine richtige Ausbildung, aber letztendlich ging es darum, sich finanziell über Wasser zu halten. Das selbe galt auch für ihre Schwester Tess.



    Und eines Tages betrat Clayton den Laden, weil er Heißhunger auf einen Schokoriegel hatte. Es lief alles bestens, sie verliebten sich Hals über Kopf ineinander und ein paar Wochen nach der Hochzeit war Patricia bereits mit Todd schwanger. Kurz darauf fanden die beiden auch ein Haus, das sie finanzieren konnten. Für Clayton war es wichtig, dass seine Familie ein richtiges Zu hause hatte, während er auf Geschäftsreisen war. Er war Vertreter für Maschinenöl und andere Schmierstoffe. Sein Reisegebiet deckte die Gegend zwischen New York und Chicago ab und erstreckte sich bis hinauf nach Buffalo.
    Zwei Jahre später kam Cynthia zur Welt.



    Über all das dachte ich auf der Fahrt zur Old Fairfield Highschool nach. Ich holte mir noch schnell einen Kaffee bei Dunkin' Donuts. Als ich an der Schule ankam und zur Eingangstür ging, traf ich Roland Carruthers, der Schuldirektor und wohl mein bester Freund unter Kollegen.
    „Rolly“, sagte ich.
    „Wie?“, fragte er mit Blick auf den Pappbecher in meiner Hand. „Du hast mir keinen mitgebracht?“
    „Wenn du meine erste Stunde übernimmst, hol ich dir einen.“
    „Bei der Klasse bräuchte ich wohl was Stärkeres.“
    „So schlimm ist sie nun auch wieder nicht.“



    „Vandalen sind das. Auf dieser Schule sind alle Vandalen“, sagte Rolly.
    „Was passiert eigentlich mit Jane Scavullo?“
    Das Mädchen war in meinem Kurs für kreatives Schreiben. Sie kam aus zerrütteten Familienverhältnissen, über die niemand aus dem Kollegium genaueres wusste, und verbrachte ihre halbe Schulzeit auf dem Sekreteriat. Aber sie schrieb wie ein Engel.
    „Ich habe ihr gesagt, dass sie kurz vor dem Rausschmiss steht“, meinte Rolly.
    Jane und ein anderes Mädchen waren ein paar Tage zuvor vor dem Schulgebäude aneinander geraten. Offenbar ging es um einen Jungen, worum auch sonst. Viele Schaulustige waren gekommen, doch die beiden haben erst aufgehört, als Rolly dazugekommen war.



    Meine Freundschaft zu Rolly ließ sich als durchaus vielschichtig bezeichnen. Wir hatten ein kumpelhaftes Verhältnis, doch da er gut 20 Jahre älter war als ich, stellte er auch eine Vaterfigur für mich dar. Wenn ich etwas Altersweisheit benötigte war ich bei ihm an der richtigen Adresse. Ich kannte ihn seit unserer Hochzeit. Er war ein guter Freund von Cynthias Vater gewesen.
    Es war nicht mehr lange bis zu seiner Pensionierung. Er wartete förmlich darauf, endlich mit seinem neuen Wohnmobil nach Florida abzudüsen.



    „Hast du später ein paar Minuten Zeit für mich?“
    „Gibts was besonderes?“
    „Nur das Übliche.“
    „Komm vorbei, am besten nach elf. Vorher habe ich Besuch vom Schulrat.“

    ~~~


    Ich ging ins Lehrerzimmer und warf einen Blick in mein Fach. Keine besonderen Nachrichten. Als ich mich umdrehte, stieß ich mit Lauren Wells zusammen, die ebenfalls nach ihrer Post sah. Sie war seit vier Jahren an der Schule und unterrichtete Sport.



    „Entschuldige“, sagte ich.
    „Hey“, sagte sie und lächelte mich an. „Na, alles klar?“
    All die Jahre hatte mir Lauren Wells so gut wie keine Beachtung geschenkt, aber seit Cynthia in Deadline zu sehen war, fragte sie mich dauernd, ob sich etwas getan hatte.
    „Gibts was neues?“
    „Neues?“, fragte ich verdutzt.
    „Von den Fernsehleuten. Ist doch schon zwei Wochen her. Hat sich inzwischen jemand gemeldet wegen Cynthias Familie?“
    Cynthia? Sie tat geradezu so, als wären sie und meine Frau gute Freundinnen, obwohl sich die beiden nicht kannten.
    „Leider nein.“
    „Sie ist bestimmt furchtbar enttäuscht.“
    „Nun ja. Es wäre schön, wenn sich jemand melden würde. Nach all den Jahren.“
    „Ich denke ständig an euch. Erst neulich habe ich einer Freundin von der Sache erzählt. Und? So weit alles okay bei dir? Du siehst manchmal etwas verloren aus. Müde und traurig.“
    „Tatsächlich?“, sagte ich. „Nein, alles läuft bestens.“
    „Das freut mich. Ich muss wieder zur Sporthalle zurück. Wir reden mal in Ruhe miteinander.“
    Sie wandte sich ab und verließ das Lehrerzimmer.

    ~ Ende Teil 1 ~


    ______________________________



    So, das wars erstmal wieder. Teil 2 von Kapitel 5 kommt bald, versprochen!

    huhu dragon! ^^
    *auch mal nen kommi schreib*
    Ich find deine FS voll toll, aber das hab ich dir ja schon im chat gesagt.
    ich find es echt toll, dass du so eine geschichte machst. es ist ja auch ziemlich schwer, gewalt bei den sims darzustellen, wie du es hier darstellst. und ich finds toll, wie du das umsetzt.


    zur story:
    hmm... das mit der polizei ist schon etwas komisch. wieso denken die beiden, dass die polizei ihnen nicht glauben wird? wenn man die beiden so ansieht, dann muss man doch erkennen, dass irgendetwas nicht stimmt... aber andererseits hätte ich da auch panik... wenn sie zur polizei gehen würden und eine anzeige erstatten würden, und der vater würde nicht ins gefängnis kommen, dann wäre die beiden auch ziemlich hart dran... die armen ._.
    okay... vielleicht ist es doch die beste entscheidung einfach abzuhauen...
    wie gehts nun weiter? bemerkt die mutter oder leona etwas? oder gar der vater? ich glaube, der würde ausrasten, wenn er bemerkt, dass das ganze geld und seine zwei töchter weg sind... aber zur polizei kann er ja schlecht gehen.
    ich denke mal, dass irgendjemand bemerkt, dass die beiden abhauen wollen *spekulier*
    Ich freu mich schon auf die nächste fortsetzung, mach ja bald weiter! xD
    LG, Krümel



    „Oh Mann“, sagte ich.
    Nun lächelte Cynthia zum ersten Mal. „Oh Mann? Ist das alles, was dir dazu einfällt, Terry? Oh Mann? Dann verschwand ihr lächeln so schnell, wie es gekommen war. „Tut mir Leid Ich wüsste selbst nicht, was ich sagen sollte, wenn ich mir gegenüber sitzen würde.“
    „Wie wirst du eigentlich mit all dem fertig?“
    „An manchen Tagen würde ich mich am liebsten umbringen, aber was wäre, wenn sie am nächsten Tag wieder auftauchen würden?“



    Sie schwieg einen Augenblick, dann fuhr sie fort: „Es gibt zwei Möglichkeiten Entweder sie sind tot und hatten nie die Chance sich von mir zu verabschieden oder sie leben und ihnen war es von Anfang an egal. Ich weiß nicht, was schlimmer für mich wäre.“
    Ich sagte nichts.
    „Ich finde dich nett, wenn ich mit jemanden ausgehen würde, dann mit jemandem wie dir.“
    „Wenn Not an Mann ist, weißt du ja, wo du mich findest.“
    „Manchmal kommt es mir vor, als würde ich sie sehen. Wenn ich jemanden auf der Straße sehe, der meinem Bruder oder meinen Eltern ähnlich sieht, dann laufe ich ihnen hinterher.. aber sie sind es nie.“
    „Na ja, irgendwann wird sich das bestimmt geben“, sagte ich.
    „Wenn ich sie gefunden habe.“

    ~~~



    Wir begannen uns regelmäßig zu treffen. Wir gingen zusammen ins Kino oder büffelten gemeinsam in der Bibliothek.



    Eines Abends saß ich an meiner Royal-Schreibmaschine, schon damals beinahe eine Antiquität, ein klobriges, schwarzes Gerät aus stahl, so schwer wie ein Volkswagen, und schrieb an meiner Hausarbeit über Thoreau.
    Ich hatte Cynthia eingeladen, doch vorbeizukommen und mir beim Schreiben zuzusehen. „Gar nicht so uninteressant“, sagte ich. „Ich schreibe nämlich mit Zehnfingersystem.“
    „Wie Mit allen Fingern gleichzeitig?“
    Ich nickte.
    „Klingt verlockend.“



    Sie brachte selbst ein bisschen Arbeit mit, hockte sich auf mein Bett und las, obwohl ich genau spürte, dass sie mich ab und an beobachtete. Wir waren ein paar Mal miteinander ausgegangen, aber zu Körperkontakt war es bislang kaum gekommen. Ein paar mal hatte ich ihre Schulter beiläufig berührt oder hatte sie versehentlich einmal angerempelt, als wir zum Abendhimmel aufgesehen hatten.
    Mehr war nicht passiert.



    Ich meinte sie aufstehen zu hören, war aber gerade mit einer Fußnote beschäftigt. Dann stand sie hinter mir, und mit einem Mal schien sich der Raum mit elektrischer Spannung aufzuladen.
    Sie umarmte mich von hinten und küsste mich auf die Wange. Ich wandte mich zu ihr, sodass sich unsre Lippen finden konnten.



    Später, als wir auf dem Bett lagen, kurz bevor es passierte, sagte sie: „Du kannst mich nicht verletzen.“
    „Ich will dir nicht wehtun“, sagte ich. „Ich bin ganz vorsichtig.“
    „Das meine ich nicht“, flüsterte sie. „Wenn du nicht mit mir zusammen sein willst, mach dir keine Sorgen. Nicht kann mir mehr wehtun, als das, was schon geschehen ist.“
    Doch damit lag sie falsch.





    ~ Ende Kapitel 4 ~



    So, das wars mal wieder^^
    Hier hab ich noch ein etwas erschreckendes Bild durch Terrys Kopf hindruch fotografiert^^



    @ nichthund: Japp, Grace ist eigentlich wie ihre Mutter früher, wenn man mal die beiden vergleicht. ^^
    @ Wawa: Danke für deinen Kommi :-)
    @ Anny: Ja, Cynthia ist manchmal echt ein bisschen... xD


    So, es geht mal wieder weiter. Diesmal ein kleiner Zeitsprung zurück, als sich Terry und Cynthia kennen lernten, 7 Jahre nachdem Cynthias Familie verschwunden ist.


    ~~~~~~~~


    ~ Kapitel 4 ~


    Als mein Freund Roger mich damals an der Uni auf sie aufmerksam machte, flüsterte er: „Archer, die Kleine ist erste Sahne. Ein heißes Gerät. Aber pass bloß auf... die ist total kaputt.“



    Cynthia Bigge saß ein paar Reihen unterhalb von uns und machte sich Notizen über die Literatur des Holocaust; Roger und ich saßen oben, unweit der Tür, damit wir uns so schnell wie möglich aus dem Staub machen konnten, sobald der Lehrer mit dem Geschwafel fertig war.
    „Kaputt?“, flüsterte ich zurück. „Was meinst du damit?“
    „Erinnerst du dich an die Geschichte mit diesem Mädchen und ihrer Familie, die auf Nimmerwiedersehen verschwunden ist? Schon ein paar Jahre her, stand damals aber in allen Zeitungen.“
    „Nö.“


    Nachrichten hatten mich zu jener Zeit überhaupt nicht interessiert. Wie so mancher andere Teenager war ich ziemlich mit mir selbst beschäftigt gewesen – ich hatte vor, der nächste Philip Roth, Robertson Davies oder John Irving zu werden, war mir aber noch nicht ganz schlüssig, wer nun genau – und immun gegen Zeitereignisse jeglicher Art, außer wenn die Studenten auf dem Campus mal wieder gegen irgendetwas protestierten, dabei konnte man nämlich am besten Mädchen kennen lernen.


    „Na ja, jedenfalls sind ihre Eltern damals verschwunden, von einem Tag auf den anderen, zusammen mit ihrer Schwester oder ihrem Bruder, so genau weiß ich's nicht mehr.“
    Ich beugte mich näher zu ihm und flüsterte: „Wie? Wurden sie ermordet?“
    „Keine Ahnung. Vielleicht weiß Cynthia etwas. Vielleicht hat sie die ganze Bande abserviert. Hast du noch nie daran gedacht, deine Familie zu töten?“
    Ich zuckte mit den Schultern. Das hatte wohl jeder irgendwann schon mal gedacht.


    Es war die einzige Vorlesung, die ich mit ihr zusammen hatte. Ich studierte Lehramt, falls es mit der Karriere als Bestsellerautor doch nicht klappen sollte. Meine Eltern – mittlerweile pensioniert und im sonnigen Florida ansässig – waren selbst beide Lehrer gewesen. Und immerhin war es ein krisensicherer Job.
    Ich hörte mich um und fand heraus, dass Cynthia Sozialpädagogik studierte. Ihre Seminare umfassten Geschlechterstudien, Eheprobleme, Altenfürsorge, Familienökonomie und ähnliche interessante Dinge.

    ~~~



    Ich saß in der Universitätsbuchhandlung und las ein Buch, als plötzlich jemand vor mir stand.
    „Wieso fragst du die Leute über mich aus?“, sagte Cynthia. Es war das erste Mal, dass ich ihre Stimme hörte. Sie sprach in leisem, aber nachdrücklichem Tonfall.
    „Hmm?“, machte ich.
    „Jemand hat mir erzählt, dass du dich nach mir umhörst“, wiederholte sie. „Du heißt Terrence Archer, stimmt's?“
    Ich nickte und Cynthia fuhr fort: „Also, warum fragst du alle Leute nach mir?“
    Ich zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht genau.“


    „Worum geht’s dir eigentlich? Wenn du irgendetwas wissen willst, dann frag mich doch selbst, okay? Ich mag es nämlich nicht, wenn man hinter meinem rücken über mich redet.“
    „Es tut mir Leid Ich habe mich nur gefragt, ob...“
    „Du hast dich gefragt, ob ich das Mädchen bin, dessen Familie verschwunden ist. Okay, ich bin's. Und jetzt kümmere dich verdammt noch mal um deinen eigenen Kram.“
    „Meine Mutter hatte auch so blonde Haare“, unterbrach ich sie. „Nicht so wie deine, eher etwas dunkler. Aber du siehst einfach toll aus. Zugegeben, ich habe mich ein bisschen umgehört, weil ich wissen wollte, ob du einen Freund hast. Soweit ich gehört habe, hast du keinen, und jetzt ist mir auch klar warum.“




    Sie sah mich nur an.
    „Tja“, sagte ich und schlug das Buch zusammen und stand auf , um zu gehen. „Wie gesagt, es tut mir Leid“
    „Nein... ich habe keinen Freund“, sagte sie. „Und das ist allein meine Sache."
    „Ich wollte dir nicht zu nahe treten, aber ich konnte ja nicht ahnen, dass du so über reagierst.“



    ~~~




    Wir kamen überein, dass sie über reagiert und ich mich wie ein ********* verhalten hatte und irgendwie landeten wir schließlich in einem der Uni-Cafés, wo mir Cynthia erzählte, dass sie bei ihrer Tante – der Schwester ihrer Mutter – wohnte.



    „Tess ist sehr nett“, sagte Cynthia. „Sie war nie verheiratet und hatte auch keine eigenen Kinder und ich habe ihr Leben wohl ziemlich auf den Kopf gestellt, als ich nach dem Verschwinden meiner Familie zu ihr gezogen bin. Aber sie hat sich damit abgefunden.“
    „Was ist damals mit eurem Haus passiert?
    „Allein konnte ich dort nicht bleiben. Außerdem war das Haus mit einer Hypothek belastet und als meine Familie nicht wieder auftauchte, hat die Bank es einkassiert. Das Geld, das meine Eltern in das Haus gesteckt hatten, kam auf ein Treuhandkonto, aber es war nicht viel. Tja, und inzwischen sind sie so lange verschwunden, dass sie als tot gelten, zumindest juristisch.“
    Was sollte ich darauf erwidern?
    „Jedenfalls hat Tante tess für mich gesorgt, meine ganze Schulzeit hindurch. Klar, ich hatte auch Ferienjobs und so, aber damit konnte ich sie kaum entlasten. Ich weiß nicht, wie sie es hinbekommen hat, dass ich studieren kann.“



    ~ geht noch weiter ~



    Sie folgte mir zur Haustüre und ich zog mir meine Jacke an.
    „Ist alles okay mit Grace? Wieso ist sie so still?“
    Ich zog eine Grimasse und schüttelte den Kopf. „Na ja, es ist wegen... Cyn, sie ist acht Jahre alt.“
    „Sie beschwert sich bei dir über mich?“
    „Sie will doch einfach nur ein bisschen unabhängiger sein.“
    „Ach so, jetzt verstehe ich, worum es ging. Du wolltest nicht mit Grace' Lehrerin reden, sondern mit mir.“
    Ich lächelte besänftigend. „Sie sagt, die anderen Kids würden sich über sie lustig machen.“
    „Es gibt Schlimmeres.“
    Wir hatten diese Diskussion schon so oft geführt, dass es schlicht sinnlos war noch etwas zu erwidern.



    „Ich habe wieder den Wagen gesehen.“
    Sie sah an meiner Miene, dass ich dieser Beobachtung keine Bedeutung zumaß.
    „Du hältst mich für verrückt.“
    „Nein, tu ich nicht.“
    „Ich hab ihn zweimal gesehen, einen braunen Wagen mit getönten Scheiben. Er ist sogar langsamer geworden, als er an uns vorbei fuhr."
    „Hast du dir das Kennzeichen gemerkt?“
    „Nein, beim ersten Mal habe ich nicht daran gedacht und beim zweiten Mal war ich zu nervös.“
    „Cyn, wahrscheinlich ist es bloß jemand, der hier um die Ecke wohnt. Du weißt, die Leute müssen hier langsamer fahren. Wir wohnen schließlich in einem verkehrsberuhigten Bereich und die Polizei hat schon oft Radarfallen aufgebaut.“

    Na gut“, sagte Cynthia. „Ich werde nochmal bei Deadline anrufen, auch wenn es wenig Sinn hat.
    „Ja, die Sendung ist immerhin vor drei Wochen gelaufen. Aber okay, dann ruf eben an und vergiss nicht, dass ich dich liebe.“
    „Ich dich auch“, sagte sie. „Ich weiß, dass das Zusammenleben mit mir nicht ganz einfach ist besonders für Grace.“
    Dann gab ich ihr einen Kuss und machte mich auf den Weg zur Arbeit.




    ~~~~~~~~~~~~



    >>Ich verstehe, dass dir die Vorstellung nicht behagt, ganz ehrlich. Ich verstehe, warum dir die Sache ein wenig Bauchschmerzen bereitet, aber ich weiß, wovon ich rede, ich habe lange über das Ganze nachgedacht und es gibt keinen anderen Weg. So ist das eben mit Familien. Man muss tun, was notwendig ist, auch wenn es einem nicht leicht fällt., selbst wenn es weh tut. Natürlich geht es einem nicht leicht von der Hand eine Familie auszulöschen, aber man muss die Sache im größeren Rahmen betrachten. Wahrscheinlich bist du nicht alt genug, um dich daran zu erinnern, aber früher sagte man, dass man ein Dorf zerstören muss, um es zu retten. Und so ähnlich liegen die Dinge auch hier. Stell dir unsere Familie als ein Dorf vor. Wir tun alles, um sie zu retten.<<





    ~ Kapitel 3 Ende ~
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    So, das wars mal wieder. Bis zur nächsten Fortsetzung!

    @ Annyway: Tja, das sind halt die Fernsehleute... nur Einschaltquoten und so Zeug im Kopf. Danke für das Kommi.
    @ Mincy: Erfährst du aber noch nicht :P.
    @ kakaduh=P: Dankeschön! Ich freu mich immer über Lob
    @ Emo_Cat: Dann ist ja gut, wenn das mit den Bildern nicht auffällt *gg* (Cynthia hat nach der einen Woche die gleiche Kleidung + Frisur)
    @ nichthund: Ja, sie hatte echt kein leichtes Leben... aber sie hats überstanden, wie man sieht^^
    @ Didiaaaa: Danke für das Kommi.^^
    @ Miri: Ich hab dir ja glaub ich schon einmal gesagt, dass du dir das Buch holen kannst. Würde dir aber die Spannung vermiesen^^
    @ Jule: Ja, jetzt musst du dir wenigstens nicht mehr das Buch kaufen *gg*



    Und weiter gehts...



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    ~ Kapitel 3 ~




    Grace sah mich mit flehenden Augen an, doch der Nachdruck in ihrer Stimme war nicht zu überhören.
    „Dad“, sagte sie. „Ich. Bin. Acht. Jahre. Alt.“
    Ich fragte mich oft, wo sie gelernt hatte, Worte um des dramatischen Effekts willen in einzelne Sätze zu verwandeln. Jedoch ging es in unserm Haus ja dramatisch genug zu.
    „Ja“, sagte ich zu meiner Tochter. „Das ist mir klar.“



    Wir saßen am Frühstückstisch. Cynthia war noch oben im Badezimmer. Deshalb nutzte Grace mal wieder die Gelegenheit mich zu überreden, mit Cynthia zu sprechen.
    „Die anderen Kinder machen sich lustig über mich“, sagte sie.
    Ich schlürfte an meinem Kafffee, der nur lauwarm war. Offenbar war die Kaffeemaschine kaputt.
    „Wer genau macht sich denn über dich lustig?“, fragte ich.
    „Alle“, sagte Grace.



    „Alle“, wiederholte ich. „Was ist denn passiert? Ist eine Versammlung einberufen worden? Und dann hat der Rektor die gesamte Schule aufgefordert, sich über dich lustig zu machen?“
    „Jetzt machst du dich über mich lustig.“
    Okay, da hatte sie recht. „Tut mir Leid. Aber alle sind es bestimmt nicht. Es fühlt sich bloß so an. Hänseln dich deine Freundinnen?“
    „Ja, sie sagen, Mom behandelt mich wie ein Baby.“
    „Deine Mom sorgt sich nur um dich“, sagte ich. „Sie hat dich sehr, sehr lieb.“
    „Ich weiß, aber ich bin schon acht.“
    „Deine Mom will nur, dass du sicher zur Schule kommst, das ist alles.“



    Grace ließ den Kopf hängen und ihre braunen Haare fielen ihr ins Gesicht.
    „Trotzdem muss sie mich nicht zur Schule bringen. Seit dem Kindergarten wird keiner mehr von seiner Mom gebracht.“
    Wir diskutierten dieses Thema nicht zum ersten Mal und ich hatte auch mehrmals versucht, Cynthia so vorsichtig wie möglich zu vermitteln, dass es vielleicht an der Zeit war, Grace ohne Aufsicht zur Schule gehen zu lassen. Immerhin war sie schon in der dritten Klasse. Und außerdem war sie ja nicht wirklich allein. Eine Menge Kinder hatten den selben Schulweg.



    Ich konnte sie leider nicht so häufig bringen. Wenn ich Grace zur Schule brachte, dann lief ich immer ein Stückchen hinter ihr, damit es nicht so aussah, als würde ich ein Auge auf meine Tochter haben. Cynthia verrieten wir davon nichts.
    Cynthia hatte ihre Arbeitszeiten extra so gelegt, dass sie Grace zur Schule fahren konnte und dann mittags wieder abholen konnte.
    Als einmal die Schüler länger da bleiben mussten, hatte Grace Angst bekommen und zwar nicht, weil ihre Mutter sich bestimmt Sorgen machte, sondern weil sie womöglich jede Sekunde ins Klassenzimmer stürmen könnte.



    „Außerdem ist mein Teleskop kaputt“, sagte Grace.
    „Was meinst du mit kaputt?“
    „Die Dinger, mit denen es am Ständer festgemacht ist, sind lose. Ich habe sie wieder festgemacht, aber ich weiß nicht, wie lange das hält.“
    „Ich sehe es mir nachher an.“
    „Ich muss doch nach Killerasteroiden Ausschau halten“,
    erzählte Grace. „Und wenn mein Teleskop kaputt ist, kann ich sie nicht sehen.“
    „Okay, ich kümmere mich darum.“
    „Manchmal träume ich, dass ein Asteroid auf die Erde einschlagen würde. Ich will nur abends nachgucken, damit ich weiß, dass das nicht passiert.“

    Ich nickte. Es war kein teures Gerät, wir hatten sowieso nicht genug Geld, um es zum Fenster hinaus zu schmeißen. Aber ich bin der Meinung, dass man die Interessen der Kinder fördern sollte, egal was es ist.

    „Und was ist jetzt mit Mom?“
    „Was soll denn sein?“
    „Muss sie unbedingt mit zur Schule gehen?“
    „Ich rede mit ihr“,
    sagte ich.



    „Mit wem willst du reden?“, fragte Cynthia, die gerade die Küche betrat.
    Schnell versucht ich mir eine Notlüge einfallen zu lassen.
    „Mit Grace' Lehrerin“, sagte ich.
    „Und warum?“, fragte Cynthia.
    „Ach, einfach so, auf dem nächsten Elternabend. Letztes Mal warst du ja allein bei Mrs Enders, weil an meiner Schule gleichzeitig Elternabend war.“
    „Sie ist sehr nett“, sagte Cynthia und wandte sich an Grace. „Tausendmal netter als deine alte Lehrerin. Die war ein ganz schöner Drache.“
    „Die alte Ziege.“ Grace nickte. „Sie hat uns stundenlang auf einem Bein stehen lassen, wenn wir unartig waren.“





    „Ich muss los“, sagte ich und trank den letzten Schluck vom kalten Kaffee. „Cyn, ich glaube, wir brauchen eine neue Kaffeemaschine.“
    „Ich kümmere mich drum“, sagte Cynthia.
    Als ich aufstand, warf mir Grace einen flehenden Blick zu. Ich wusste, was sie sagen wollte: Sprich mit ihr. Bitte, bitte, sprich mit ihr.

    „Terry, hast du irgendwo den Ersatzschlüssel für die Haustüre gesehen?“, fragte Cynthia.
    „Hmmmm?“, machte ich.
    Sie zeigte auf den Haken neben der Tür, die in unseren kleinen Garten führt. „Da hing er doch, oder?“
    „Ja, ich glaube schon. Grace, hast du den Schlüssel genommen?“
    Sie schüttelte den Kopf und starrte mich missmutig an.
    „Kann sein, dass ich ich selbst eingesteckt habe. Ich sehe später mal nach. Bringst du mich zur Tür, Cyn?“


    ~ geht noch weiter ~

    Also, ich hab so einen Jack-Wolsfkin-Schulranzen in dunkelblau xD


    Da ist momentan drinnen:
    - Schulbücher
    - Ordner
    - Hefte
    - Notizblock
    - Timer
    - altes, vollgekritzeltes Mäppchen
    - leere Flasche
    - meine Linolschnitt
    - die Vorlage von meinem Linolschnitt
    - die fertigen Drucke meines Linolschnitts
    - Kajal
    - Spiegel
    - Lipcloss
    - Labello
    - Haarbürste
    - Deo
    - Digicam (DA ist die Oo *schon gesucht hab*)
    - Handy
    - Wörterbuch Deutsch-Französisch Französisch-Deutsch
    - Fahrzeugpapiere mit Versicherungsschein, Impfpass, Führerschein
    - Geldebeutel mit Personalausweiß, Schülerausweiß, alten Kassenzettel, Essenskarten für die Schulcafeteria
    - Zirkel
    - Taschenrechner
    - Formelsammlung
    - ZK-Übungsheft für Mathematik
    - Deutsch-Lektüre: Götz von Berlichingen von Johann Wolfgang Goethe
    - Das Grundgesetz von Deutschland
    - Müll
    - 6 verschiedenfarbige Textmarker
    - (für morgen: alle Sims 2 - Accessoires)
    - Handcreme
    - Nagellack (ähm... Oo)
    - Locher
    - Tesa


    ja... was da so alles rein passt Oo